Kunsthaus Klüber, Weinheim 2015

Aloisia Föllmer
zur Ausstellung von Kisten Brünjes und Sonja Koczula
Kunsthaus Klüber Weinheim, 14.06.2015

Die Ölmalerei von Sonja Koczula kommt kraftvoll und selbstbewusst daher. Sie ist der Malerei nach 1945 einzuordnen, die den Gegenstand aus ihrer Darstellung gelöscht hat und damit ihren Willen zeigt, ungebunden von den materiellen Dingen der Wirklichkeit, einen künstlerischen Ausdruck zu finden. In der unüberschaubaren Menge der informell arbeitenden Maler hat Sonja Koczula ihren eigenen Stil gefunden.

(…)

Auf den ersten Blick erscheinen diese Arbeiten einfach und in ihrer Anlage klar. Denn sie werden von deutlichen Formen bestimmt, deren Linien in die Fläche ausgebreitet werden. Sie verkörpern trotz ihrer Wucht subtile Setzungen amorpher Gebilde, die im Ausdruck kraftvoll, vehement und verdichtet sind. Diese unregelmäßigen abstrakten Formen werden vor dem neutralen hellen Bildgrund oft als schwebend empfunden. Sie wirken ungeerdet und ungebunden.

Manchmal lassen sie Durchblicke wie durch ein Gitter oder Fenster zu, Durchblicke auch auf eine warme glutvolle Farbigkeit. Bisweilen atmen sie kalligrafische Kennzeichen, sie drücken Leichtigkeit und Schwere gleichermaßen aus.

Die dynamischen Formen sind aus dem Bewegungsgestus heraus entstanden und Resultat unzähliger persönlicher Vorarbeiten. Wenn ihre Ränder einen verwischten oder fließenden Übergang vom Grund zeigen, hat man das Gefühl, dass sie gerade geboren wurden, dass sie sich aus dem Hellen herausgelöst haben.

Die Bildsprache der Künstlerin basiert auf Medienbilder. So greift sie immer wieder auf Fotografien von Zeitungen und Zeitschriften zurück, aus denen sie meist blockhafte Formen auswählt und malerisch überarbeitet.

Dabei lehnt sie sich oft an Alltagsgegenstände mit ihren uns vertrauten Grundformen an und verfremdet sie, so dass ihre Arbeiten Vertrautes und Unvertrautes gleichermaßen atmen.

Auf diese Weise hat sich die Künstlerin durch die Übermalung von Fotografien ein Formenrepertoire erarbeitet, auf das sie immer wieder zurückgreifen kann. Dabei wird das formal und linear Gefundene ständig von ihr aktualisiert und immer wieder neu umgesetzt, wobei die Formen in ihrer Klarheit und Eindeutigkeit äußerst präsent sind.

Da die Künstlerin also auf formale Anregungen zurückgreift, sind ihre Arbeiten nicht wie viele Bilder ihrer abstrakt expressiv arbeitenden Kollegen als spontane psychische und emotionale Äußerungen zu verstehen, sondern sie basieren vielmehr auf rationaler Planung. So haftet ihren Arbeiten Bewusstheit und Improvisation, Impulsivität und Kontrolle, Lineares und Flächiges gleichermaßen an.

Ihre sperrigen, ungelenken und oft angeschnittenen Formen bewegen sich vor Bildhintergründen von malerisch subtiler Qualität. Diese bestehen aus vielfach geschichteten Farben, deren Vielfalt man aus der Nahsicht erkennt. Sie setzen den komprimierten dunklen Gebilden eine farblich verhaltene, zurückgedrängte Grundmelodie entgegen, welche im Betrachter allgemein eine Ahnung von der Vielfalt der Farben erzeugen.

Aber auch die brauntonigen Großformen sind farbig. So gründeten ja auch die malerischen Anfänge der Künstlerin auf der Farbe, wobei es die schwarzen Formen auf ihren Bildern immer schon gab.

Die dunklen Abstraktionen Sonja Koczulas werfen in der Freiheit und in der Ungebundenheit ihrer expressiven gestischen Darstellungsweise Fragen nach ihrer Identifizierbarkeit bzw. nach ihrer Identität auf. In ihrem fragmentarischen Charakter sind sie unentschlüsselbar. Und dennoch kennzeichnet sie eindringliche Präsenz und Mehrdeutbarkeit, Vertrautes und Unvertrautes, Vorder- und Hintergründigkeit gleichermaßen.

Und da ihre visuelle Erscheinung auch das Flüchtige, das sich Verflüchtigende beinhaltet, werden sie in einem Zwischenzustand zwischen Setzung und Auflösung, zwischen Erscheinen und Entschwinden erlebt, wodurch es der Künstlerin gelingt, in ihnen stets Erinnerung und Vergänglichkeit mitschwingen zu lassen.

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