sonja koczula: setzungen. malerei auf leinwand und papier 
text von dr. andrea brockmann, emsdetten (2010)
 
die bilder wirken einfach – tatsächlich sind es kompressionen, substrate, verdichtungen einer komplexen und vielgestaltigen aneignung, für die die künstlerin sonja koczula immer wieder neue übersetzungsmuster findet. dunkle formen präsentieren sich vor hellem hintergrund. es ist aber kein ornamentales allover, sondern sie hat eine freie, zuweilen gestische, auch komplex geschichtete malerei entwickelt. ihre bilder erscheinen wie frei schwebende haltepunkte im offenen prozess von setzung und auflösung von zeichen, sowohl in ihrer malerei auf leinwand als auch auf papier.
farbigkeit ist nicht das vorrangige ziel ihrer arbeiten auf papier, sondern die linie, die zur räumlichkeit erweitert wird. die sprödigkeit des lineaments, das mitunter bewusst ungelenk wirkende züge annimmt, steht dabei im widerspruch zum reichtum ihrer ästhetischen wie emotionalen ausdrucksqualitäten: weich, geschwungen, abrupt absetzend, nervös auffahrend, zackig, kantig, ungebärdig, aufgebrochen, rhythmisch sperrig, gekrakelt. aus einfachen strichzeichnungen ergibt sich ein herausgearbeitetes liniengefüge im spannungsfeld von tektonischer ordnung und gestischem ausdruck, das uns landschaften, straßennetze oder sedimentierte spuren im gestein assoziieren lässt. mit dem urelement der zeichnung, der linie, reflektiert die künstlerin wahrnehmungsprozesse und spürt den bedingungen des sichtbarwerdens nach.
farben sind eher ein gestaltungsmittel ihrer malerei auf leinwand, wo sie im untergrund eine subtile wirkung entfalten. die farbe wird geschichtet, wird zur materie, zur substanz, zum nährboden. im prozess des farbeauftragens, in dem nuancierte töne aus weißem, gelbem bis braunem oder blauem pigment wechseln, setzt die künstlerin eine spur, eine breite linie, ein bildzeichen, das meistens vorher als skizze geplant und angelegt ist. die wahrnehmung dieser dunklen spuren begleitet die suche nach einer symbolischen bedeutung, die als geheimnisvolles phänomen, als potentielles bild evident ist, das sich durch die dimension der erinnerung im entstehen selbst und in den entwicklungen des graphischen rhythmus von allem zufälligen befreit. das zeichen wird zum bildbeherrschenden element, ist aber nicht gegenständlich aufzufassen, sondern ist als form eigenständig. da das bildzeichen in jeder farbschicht mitgedacht, bearbeitet und durch eine innere struktur aus eingearbeiteten farbigen linien und flächen selbständig wird, entsteht eine räumlichkeit, die es zur freien formbewegung werden lässt.
stark und impulsiv wirkt die farbe, die sonja koczula an den rändern, in den ecken des bildes punktuell und als akzent offen wirken lässt, gegenüber den streng formulierten, auf hell-dunkel kontrast gründenden formbewegungen. geschichtete farbe, die die künstlerin als untergrundstruktur einsetzt, bricht die ruhe der hell gedeckten bildoberfläche auf und nimmt neben den filigranen kratzspuren auf der leinwand und den dominant-dunklen zeichenformen eine eigenständige rolle in ihren kompositionen ein.
sonja koczulas werk lebt von der spannung zwischen system und anarchie, zwischen der suche nach einer universellen zeichensprache und einem expressiven gestus, der sich in der farbe, die atmosphärisch vermittelt, und der linienführung manifestiert.

dr. andrea brockmann, emsdetten 

(text für den katalog setzungen. zeichnung. malerei. 2009, erschienen im mai 2010 im rahmen der ausstellung in der galerie ostendorff in münster.)


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